Nachgebacken: Медовик – Medovik

Geht es euch auch so, dass der Geburtstagskalender im Januar aus allen Nähten platzt? Letzte Wochen hatten zwei Kollegen und unsere Nachbarin Geburtstag, diese Woche hatten mein Vater, meine Cousine, mein Mann, und eine Kollegin meines Mannes, nächste Woche wird es ähnlich weitergehen. Im Vergleich dazu teile ich mir März nur mit einer lieben Freundin aus Leipzig. Ist es nicht faszinierend?

Für die Geburtstagstorte für meinen Mann habe ich fünf Stunden in der Küche gestanden, weil ich sie zum ersten Mal gemacht habe und dann gleich eine Torte aus zehn Schichten… In Russland ist diese Torte ziemlich bekannt, aber jede Bäckerin und jeder Bäcker macht sie anders. Mal werden die Böden ausgerollt, mal wird der flüssige Teig aufs Backpapier geschmiert. Mal wird die Creme mit Pudding, mal mit Milchmädchen gemacht. Das Ergebnis ist jedes mal lecker!

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Fernweh-Adventskalender: Japan – 23. Türchen

Eine Möglichkeit verschiedene Spezialitäten auf einmal zu probieren ist Bento. Das ist die japanische Lunchbox, die man zuhause selbst zubereitet oder unterwegs kauft. Unsere hier ist in einem speziellen Bentoladen gekauft:

Was haben wir denn da? Eingelegter Ingwer, Sushi, Tempura, Zuckerschotten, Lotusscheibchen, Shrimps, Tamagoyaki (japanisches gerolltes Omelett), Sojasoße, Orangenstückchen und Mochi (kleine Reisküchlein). Mhhh!

Fernweh-Adventskalender: Japan – 19. Türchen

Was mich in dieses Lokal gelockt hat, liegt ja auf der Hand. Das war natürlich das Grünzeug vor der Tür ;-) Hinter ihr versteckte sich ein kleines europäisch eingerichtetes Café. Die Betreiberin ist eine betagte und sehr sehr freundliche Dame.

Wir hatten es auf eine Spezialität von Nagasaki – auf den Castella – abgesehen. Hier wurden verschiedene Geschmacksrichtungen von Castella angeboten. Mein Mann und ich wollten das Original und die Matcha-Variante kosten. Daran gewöhnt die Kuchenteller zu tauschen, wenn jeder von uns die Hälfte von seinem Kuchen verputzt hat, waren wir total davon gerührt, dass die nette Betreiberin kurzerhand beide Kuchenstücke halbiert und jedem die Hälfte von beiden Kuchen serviert hat. Es ist eine kleine Nettigkeit gewesen, aber auf uns hatte sie eine große Wirkung.

Diese nette Frau hat uns auch die Geschichte von ihrem wunderschönen Geschirr erzählt, das sie von ihrem Großvater und zu ihrer Hochzeit vor über 50 Jahren geschenkt bekommen hatte. Wegen all dieser Kleinigkeiten haben wir uns hier – auf dem anderen Ende der Welt – unglaublich willkommen gefühlt.

Fernweh-Adventskalender: Japan – 18. Türchen

Wer meinem Blog etwas länger folgt, hat sich bestimmt schon gewundert, dass nach den Reisfeldern nichts „Botanisches“ mehr von mir kam. Hiermit will ich das ändern:

Das ist eine kleine und wunderhübsche Frucht einer Kamelie. Da die Kamelie in unserem Garten noch nie Früchte getragen hat (und – ich werde das Gefühl nicht los – nie welche tragen wird), war ich aus dem Häuschen verzückt zu entdecken, dass es solche gibt und wie sie aussehen können.

alte Bücher…

Als Kind war ich schnell über meine Kinderbücher hinausgewachsen und durfte Bücher aus der Sammlung meiner Mutter lesen. Als erstes haben meine Finger natürlich „den kleinen Prinzen“ aus dem Regal gezogen. Ein „Märchen für Erwachsene“ klang so faszinierend für mich, dass ich unbedingt wissen wollte, worauf die Erwachsenen so „abfahren“. Ich mochte dieses Buch. Es hat meine Gefühlswelt etwas überfordert, aber ich mochte dieses Buch.

„Der kleine Prinz“ hat mir das Bücherregal meiner Mutter nicht abspenstig gemacht. Welche Bücher danach dran waren, weiß ich nicht mehr. Doch weiß ich, dass ich die Bücher von Jack London sehr gemocht hatte.

Wir lebten damals in der Sowjetrepublik Kasachstan und hatten auch Bücher von kasachischen Autoren. Ich kann mich kaum an sie erinnern. Aber die Erzählung „Белая аруана“ (heißt so viel wie: weiße Dromedarstute) von Satimschan Sanbajew hatte mich so beeindruckt, dass sie noch nach Jahrzehnten in meinen Gedanken immer wieder auftaucht. Nun habe ich das Internet nach einem Buch, das diese Erzählung enthält, durchstöbert und es ist ziemlich abenteuerlich. In Deutschland kann man das gar nicht kaufen. In Russland ist es oft „nicht auf Lager“. In Kasachstan wird es nur innerhalb vom Land verschickt. Klar ist es doch möglich, aber was für ein Aufriss! Und ich werde dabei so einen vermessenen Drang nicht los, mich mit Guy Montag aus „Fahrenheit 451“ zu vergleichen, der das gelesene Buch in seinem Gedächtnis vor dem Vergessen bewahrt.

Ist es nicht seltsam? Man kann heute ohne Probleme im Restaurant ein Steak vom argentinischen Rind essen oder kanadischen Ahornsirup bekommen. Man kann sich ein rotes Holzhäuschen mit weißen Fensterrahmen aus Schweden herbestellen. Wir tragen Kleidung, die um die halbe Welt transportiert wurde. Aber ein Buch aus eigenen Kindertagen aus einem Land, das es nicht mehr gibt, zu finden, zu erwerben, gleicht ein bisschen einer archäologischen Ausgrabung…