Eine Rückkehr? Jain.

Kann sich noch jemand an meinen letzten Beitrag erinnern? Das ist knapp 19 Wochen her. Es war zu Ostern. Während in vielen Bildungseinrichtungen in Deutschland die verlängerten Ferien waren, wurden bei mir auf Arbeit die Osterferien kurzerhand abgeschafft, also musste alles, was für gewöhnlich in den Ferien nach- und vorbereitet wurde, irgendwo dazwischen geschoben, nachts oder am Wochenende erledigt werden. Die Grenze zwischen Arbeitsleben und Privatleben verschwamm. Von früh bis spät in die Nacht, oft auch am Wochenende saßen mein Mann und ich im Homeoffice die meiste Zeit einander gegenüber, sahen uns über unsere Rücken an Rücken stehenden Bildschirme und arbeiteten. Die meiste Zeit? :-) wenn die Videokonferenzen von meinem Mann auf die selben Zeiten fielen, als ich per Videokonferenz unterrichtete, wich er mit seinem Laptop in die Küche aus. Wir haben eine Routine entwickelt, zu der die Gartenpflege und auch ein täglicher Abendspaziergang gehörten. Als das Semester für mich zu Ende war, war ich mit meinen 222 Überstunden in 18 Wochen mehr als urlaubsreif. Mein Mann hat seine Überstunden schon gar nicht mehr gezählt… Und so total ausgelaugt und mit den Nerven am Ende stürzten wir uns kopfüber in unseren zweiwöchigen Urlaub. Und was soll ich sagen? In der zweiten Woche habe ich noch kaum an die Arbeit gedacht. Zwar kann von Tiefenentspannung keine Rede sein, aber ich fühle mich gut erholt.

Wie wird es aber hier, auf meiner Chaosinsel, weiter laufen? Ich weiß es nicht. In einer Woche beginnt der Unterricht, noch habe ich keine Vorstellung davon wie es in der Praxis aussehen wird, weil schon die Theorie so verrückt klingt: Erste Stunde – online-Unterricht per Videokonferenz, Pause, zweite Stunde – Präsenzunterricht mit einer auf zwei Räume geteilten Klasse usw. Und in der Woche darauf wird getauscht, dh. zuerst Präsenz Unterricht in zwei Räumen gleichzeitig und danach Videokonferenzunterricht. Um die zwei Räume digital miteinander zu verbinden, haben zwei Kollegen und ich in den Ferien Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, eine Möglichkeit nach der anderen ausprobiert, meine Kollegin hat sogar ihre ganze Familie eingespannt, mal hat uns ihr Mann, mal ihr erwachsener Sohn mit der Technik geholfen, aber es klappte nichts. Und so bleibt uns doch nichts anderes übrig, es so zu machen wie meine Vorgesetzte es von Anfang an gesagt hatte: “ Ich würde an eurer Stelle einfach alle 10 Minuten von einem Raum in den anderen gehen.“ In den anderen Einrichtungen wurde das schon in den Wochen vor den Sommerferien der unterrichtsfreie Zeit so gemacht, während wir noch den kompletten Unterricht per Videokonferenz gemacht hatten. Somit wird auch dieses Semester (nur eben auf seine besondere Art) spannend und ich kann nicht voraussagen, ob ich zum posten kommen werde oder nicht. Wenn ja, würde ich euch unsere Gartenschätze samt Tomatenernte und die Orte in Hessen zeigen, die mein Mann und ich für uns im Urlaub entdeckt haben. Wart ihr schon mal zum Beispiel in Seligenstadt?

Heilende Wirkung

Vor einer Woche wurde ich an den Nebenhöhlen und der Nasenscheidewand operiert. Davor wollte ich so viel für die Arbeit und Zuhause erledigen wie möglich, also war kein einziger Post mehr zustande gekommen, obwohl es vieles zu erzählen gibt.

Für die Ärzte war meine OP und meine Wiederherstellung danach trotz der furchtbaren Hitze wie nach Lehrbuch verlaufen. Für mich ist es zwar beruhigend, aber meine Kraft habe ich noch nicht zu 100% zurück.

Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich „meine Ecke“ brauche, wenn es mir nicht so gut geht. Seine heilende Wirkung ist nicht zu verachten. Hierher flüchte ich immer, wenn es mich wieder schlimm erwischt.

2018-07-31-krankenhauszimmer

Diesmal hat man mir mein Sofa zum Gesundwerden verweigert. Ich musste im Krankenhaus bleiben. Aber mein Mann war jeden Tag für mich da. Wir konnten nicht viel reden, weil mir beim Reden schnell die Puste ausging.  Doch allein, dass er da war, von unserem Garten erzählte oder einfach an mein Kissen gelehnt sein Buch las, hat mir Kraft gegeben, die ich selbst nicht habe.

Mittlerweile bin ich wieder zuhause auf meinem Sofa. Bald bin ich auch wieder auf den Beinen!

Vor 20 Jahren

Es gibt Ereignisse, an die erinnert man sich auch 20 Jahre später. Manche davon sind traurig, andere total schön. Danach ist nichts mehr wie zuvor. Genau so ist es mit dem Ereignis, an das sich meine Familie heute erinnert. Vor 20 Jahren, am 6.6.98 sind wir in Deutschland angekommen. Für uns begann ein anderes Leben.

Meine Eltern wären dagegen, dass ich darüber schreibe. Es ist ja auch kompliziert, weil dieses Ereignis nicht ein restlos glückliches, aber ein positives ist. Wie schafft man es, alles so „aufs Papier“ zu bringen, dass es keine Klage beziehungsweise gar eine Anklage wird? Ich kann es nur versuchen. Es ist nämlich wie es ist: es ist vergangen.

Der Umzug meiner Familie nach Deutschland bewegt mich immer noch sehr, also will ich über mein Ankommen schreiben. Ich werde die Dinge aus meiner Perspektive und so wie ich mich an sie erinnere aufschreiben. Am ereignisreichsten war natürlich das erste Jahr, das wird einen eigenen Post bekommen. Dann kamen Gymnasium und Studium, eine ziemlich ruhige Zeit für mich. Nach dem Studium wurde es nochmal stürmisch, so dass eigenen Post wert sein könnte. Für kurze Zeit war ich sogar staatenlos. Mittlerweile ist mein Leben ruhig, gemütlich, rosarot…

ein kleines Lebenszeichen

Dass ich in letzter Zeit wenig melde, hat unter anderem etwas mit den Feiertagen, mit dem schönen Wetter und neuen Passionen zu tun. Zur Zeit lese ich wie ein Ertrinkender nach Luft schnappt. Meine neue Entdeckung heißt Manga. Comics habe ich früher mal gelesen, Manga noch nie. Seit paar Tagen habe ich ein Buch auf Russisch in der Hand. Meine Häkelnadel ist auch oft im Einsatz, dabei sind zuletzt Frühlingsblumen zum Verschenken entstanden. Im Garten haben mein Mann und ich Vieles umgeplant. Die meiste Arbeit bei der Umsetzung dieser Pläne macht natürlich er, aber ich helfe, wo ich kann. Wenn ich mehr Zeit finde, poste ich auch Fotos aus meinem Leben 1.0.

Bis dahin wünsche ich euch einen wunderbaren sonnigen Frühling!