Sachsen: Grimma

Als mein Mann und ich zu Weihnachten wieder in Sachsen waren, haben wir uns mit meiner Freundin in Grimma getroffen. Leipzig wäre ihr zwar lieber gewesen, aber wir waren noch nie in Grimma und so habe ich sie dazu überredet. Außerdem konnten wir zwei neue Buslinien für unsere Hin- und Rückfahrt ausprobieren.

Obwohl das Wetter an dem Tag bescheiden war, hat sich uns Grimma im schönen Licht präsentiert. Meine Freundin kennt sich hier aus und hat uns in der Altstadt herumgeführt.

Wir haben uns nett unterhalten und gleichzeitig die Häuser bewundert, die nach dem letzten verheerenden Hochwasser wieder wunderschön aussehen. Als ich die Markierungen sah, wie hoch das Wasser das letzte Mal stand, stockte mir der Atem.

Der Fluss vor uns war ganz ruhig, seine Oberfläche spiegelglatt. Für die Einwohner von Grimma hat er wohl viele Gesichter. Mit meiner Freundin haben wir ausgemacht uns im Sommer hier nochmal zu treffen, um einen längeren Spaziergang auf dem anderen Ufer zu machen. Hoffentlich klappt es, dass auch ihre Familie mitmacht.

Schneegestöber

Wenn es nur mit den Wünschen immer so gehen würde! Oder wer von euch hat sich keine weiße Weihnachten gewünscht? Ich habe mir gewünscht, auf der Fahrt nach Sachsen durchs Schneegestöber zu kommen. Vor einigen Jahren hatten wir das schon einmal erlebt. Es war wunderbar und ich habe mir eine Wiederholung in diesem Jahr gewünscht. Nun habe ich nur eine abgeschwächte Version bekommen, aber es war schön. Irgendwo nach Hanau fing es zu schneien an und kurz vor Bad Hersfeld schon aufgehört.

Aber die am Fenster vorbei ziehenden Felder wurden immer weißer und meine Freude immer größer. Der Zug wirbelte den lockeren Schnee auf und die Schneeflocken tanzten regelrecht. So bin ich auf der ganzen dreistündigen Zugfahrt weder zum Lesen noch zum Häkeln gekommen, dabei habe ich eine schöne Anleitung für den Grinch gefunden ;-)

Sind eure Weihnachtswünsche auch in Erfüllung gegangen?

Hessen: Rembrandt im Städel

Die Zeit rinnt wie Sand durch meine Finger und es ist schon Wochen her, dass ich etwas gepostet habe, dabei bin ich nicht untätig. Berufsmäßig mache ich zweimal im Jahr „Abitur“, nur ohne die lästige Sorge, ob ich es schaffe oder nicht. Heute bin ich mit den Korrekturen der schriftlichen Prüfungen fertig geworden und habe eine Verschnaufpause bis Freitag.

Meine letzte Verschnaufpause, das Wochenende direkt vor den Prüfungen, habe ich mich mit einer Freundin getroffen, wir haben zusammen gefrühstückt und waren in der Rembrandt-Ausstellung im Städel in Frankfurt am Main. Es war ein schönes Treffen.

Wenn ihr hingehen wollt, dann hört euch den Audio-Guide schon vorher an. Wenn ihr da seid, dann geht nicht zu nahe an die Bilder ran, das erspart euch böse Blicke und schont die Nerven der Museumsmitarbeiter. Achtet auf die einzelnen Pinselstriche.

Schaut euch nicht die Halskrause von Maertgen van Bilderbeecq, sondern ihr Gesicht an. Wer von euch würde ihr Photoshop statt Rembrandt empfehlen? Aber das Bild ist so wie es ist, so unverblümt, so echt, so realistisch. Und jetzt stellt euch vor, ihr Ehemann wollte dieses Bild so haben, wie es ist. Ohne Photoshop. Ohne Retusche. Er wollte, dass seine Gäste dieses Bild sehen. Auf mich macht es den Eindruck, dass er seine Frau geschätzt hatte. Sagt es nicht etwas über die damalige Zeit aus?

Wenn ihr vor dem Bild „Die Blendung des Simsons“ steht, dann schaut euch die Schere in Delilahs Rechten an. Habt ihr eine Vorstellung davon, wie die Scheren in den „biblischen“ Zeiten ausgesehen haben? Schaut euch auch die Schuhe von Andries de Graeff. Achtet auf die Falten auf den Kleidern auf dem „Gruppenbildnis der Regentessen und Aufseherinnen des Amsterdamer Spinhuis“ von Dirck Santvoort. Gesehen? Als ob die Kleider eben aus der Kiste herausgeholt worden! Ich würde mein Kleid bügeln, bevor ich mich so aufwendig malen lassen würde… Aber hätte ich es zu der damaligen Zeit auch gebügelt? Was hat die Menschen früher bewegt, wie haben die Maler und die Gemalten getickt, dass die Bilder so geworden sind, wie sie sind?

Hessen: Führung durch das Schlosshotel

Die zweite Führung aus der Broschüre „Tage der Industriekultur Rhein-Main 2021“, für die mein Mann uns angemeldet hat, fand in Kronberg statt. Einige Zeit lang stand es um unsere Teilnahme schlecht. Kurz bevor wir uns auf den Weg gemacht haben, gab es ein Gewitter. Die Anschluss-S-Bahn, in die wir hätten in Frankfurt Süd umsteigen müssen, war ausgefallen und die nächste kam erst eine halbe Stunde später. Als wir in Kronberg ankamen, regnete es wieder, also liefen wir im strömenden Regen bergauf vom Bahnhof zum Schlosshotel. Aber wir hatten auch unendliches Glück. Als wir am Hotel mit zehnminütigen Verspätung ankamen, hörte der Regen auf und die Führung würde erst jetzt beginnen. Geschafft!

Unsere Gruppe wurde von Dr. Astrid Gräfin von Luxburg durch das Hotel geführt. Wir durften nicht nur schauen, lauschen und staunen, sondern auch mitmachen. Das Wissen der Gruppe wurde auf die Probe gestellt, aber wir haben uns gut geschlagen. Jeder wusste ein bisschen und unsere Gästeführerin ganz viel, und sie vermittelte uns ihr Wissen auf eine so charmante Art, dass ich einfach hingerissen war.

Das heutige Schlosshotel wurde ursprünglich als Witwensitz der deutschen Kaiserin Victoria (bitte nicht mit ihrer Mutter der englischen Königin Victoria verwechseln!) Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Das modernste Schloss seiner Zeit mit ganz viele Annehmlichkeiten für seine Bewohner. Damals wie heute.

Dieses Schloss, nun Schlosshotel, ist kein Denkmal. Das bewahrt zwar Erinnerungen auf, aber es entwickelt sich auch weiter. Das ist die Geschichte und die Gegenwart zugleich. Wie sonst kann man es beschreiben, wie es sich anfühlt in einem Zimmer zu stehen, in dem eine deutsche Kaiserin, die mir sympathisch ist, einst gearbeitet und später auch gestorben ist, wo von ihr gezeichnete Portraits ihrer Kinder hängen? Überhaupt hängen im gesamten Hotel mehrere Portraits der kaiserlichen Verwandten, über den Kaminen sind Familienwappen gezeichnet. Beim Anblick des sächsischen Wappens schlägt mein Herz immer einen Tick schneller, hier war es nicht anders.

Der Schwerpunkt der Führung lag bei der Technik und der technischen Entwicklung. Klar war das alles interessant: die Aufzüge, die Heizung, die Belüftung, die Elektrizität – aber… Meine Vorstellungskraft war nicht zu bremsen. Beim Betreten und Verlassen der Räume, beim Wandeln durch die Gänge und auf den Treppen versuchte ich mir vorzustellen, wie hier das alltägliche Leben von Victoria mit all diesen technischen Errungenschaften ablief, und unsere Gästeführerin geizte nicht mit Einzelheiten und Geschichten über „unsere Vicky“, die es meiner Phantasie ganz leicht machten.

Es ist eine Sache, über das Leben der Kaiserin Friedrich zu lesen, aber eine ganz andere, den gleichen Kamin in ihrem Arbeitszimmer zu betrachten, das gleiche Treppengelänger anzufassen und aus dem gleichen Fenster zu schauen, wie sie es vor mehr als einem Jahrhundert getan hatte… Nein, es ist nicht so, als ob man selbst dabei gewesen wäre :-D Es ist total schön, das alles heute noch sehen zu können, weil es geschätzt und erhalten wird.

Das war eine schöne Führung! Ich bin begeistert! Mein Mann ist froh, dass ich begeistert bin ;-)

Hessen: Zeppelin-Museum

In den letzten Jahren waren wir mehrmals mit dem Tandem an Zeppelinheim vorbeigefahren. Jedesmal sagten wir uns, dass wir auch gezielt zum Zeppelin-Museum fahren sollen, aber wie das immer so ist, hatten wir es nie durchgezogen. In diesem Jahr habe ich dieses Museum auf die Liste unserer Ziele für das Jahr 2021 gesetzt.

Beim ersten Versuch haben wir uns total mit der Zeit vertan und standen 10 Minuten vor der Schließung da. Nicht so toll, nicht wahr? Daraus haben wir gelernt und hatten bei unserem zweiten Besuch ausreichend Zeit. Es sind erstmal nur drei Räume in denen aber ganz viel Geschichte steckt. Die Besucher erfahren hier über die Erfindung und die Blütezeit der Zeppeline, auch die dunklen Seiten werden nicht verschwiegen. Der Blick auf Rio von oben ist atemberaubend. Die Speisekarte von Hindenburg klingt für Ottonormalverbraucher eher unappetitlich. Das fand ich alles faszinierend. Noch mehr hätte ich mir technische Details gewünscht. Warum hat man mal Drei- und mal Vierkantträger verwendet? Wo waren die Flaschenzüge angebracht und welche Beschichtungen hat man verwendet? Wie sieht das Skelett eines Zeppelin aus?

Der Besuch im Zeppelin-Museum hat mein Interesse geweckt. Es fühlt sich so an, als ob ich etwas Leckeres sehe und rieche, mein Appetit ist geweckt, aber reinbeißen darf man noch nicht… In meinem Kopf schwirren so viele Fragen und ich werde dran bleiben, mich noch mehr über Luftschiffe zu informieren. Luftschiff! Wie das klingt!

Nach unserem Museumsbesuch, am Ausgang, hat mein Mann aus großer Auswahl zufällig die Broschüre „Tage der Industriekultur Rhein-Main 2021“ mitgenommen und uns für zwei darin angekündigten Führungen angemeldet. So hat uns der Besuch im Zeppelin-Museum noch zwei wunderbare Führungen beschert, von denen ich aber erst in den nächsten Beiträgen berichten werde.

Auf dem Nachhauseweg war dann auch noch der Riemen an unserem Tandem gerissen… ich weiß, ich weiß… eigentlich halten Riemen ewig… dieser nicht… Also mussten wir nach Hause laufen, so kam ich an diesem Tag noch zu meinen 10 000 Schritten und habe eine Challenge meine Fitness-App geschafft. Aber mittlerweile ist der neue Riemen gekauft und eingebaut. Also können wir auch wieder in den Sattel steigen :-D