Hessen: Führung durch das Schlosshotel

Die zweite Führung aus der Broschüre „Tage der Industriekultur Rhein-Main 2021“, für die mein Mann uns angemeldet hat, fand in Kronberg statt. Einige Zeit lang stand es um unsere Teilnahme schlecht. Kurz bevor wir uns auf den Weg gemacht haben, gab es ein Gewitter. Die Anschluss-S-Bahn, in die wir hätten in Frankfurt Süd umsteigen müssen, war ausgefallen und die nächste kam erst eine halbe Stunde später. Als wir in Kronberg ankamen, regnete es wieder, also liefen wir im strömenden Regen bergauf vom Bahnhof zum Schlosshotel. Aber wir hatten auch unendliches Glück. Als wir am Hotel mit zehnminütigen Verspätung ankamen, hörte der Regen auf und die Führung würde erst jetzt beginnen. Geschafft!

Unsere Gruppe wurde von Dr. Astrid Gräfin von Luxburg durch das Hotel geführt. Wir durften nicht nur schauen, lauschen und staunen, sondern auch mitmachen. Das Wissen der Gruppe wurde auf die Probe gestellt, aber wir haben uns gut geschlagen. Jeder wusste ein bisschen und unsere Gästeführerin ganz viel, und sie vermittelte uns ihr Wissen auf eine so charmante Art, dass ich einfach hingerissen war.

Das heutige Schlosshotel wurde ursprünglich als Witwensitz der deutschen Kaiserin Victoria (bitte nicht mit ihrer Mutter der englischen Königin Victoria verwechseln!) Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Das modernste Schloss seiner Zeit mit ganz viele Annehmlichkeiten für seine Bewohner. Damals wie heute.

Dieses Schloss, nun Schlosshotel, ist kein Denkmal. Das bewahrt zwar Erinnerungen auf, aber es entwickelt sich auch weiter. Das ist die Geschichte und die Gegenwart zugleich. Wie sonst kann man es beschreiben, wie es sich anfühlt in einem Zimmer zu stehen, in dem eine deutsche Kaiserin, die mir sympathisch ist, einst gearbeitet und später auch gestorben ist, wo von ihr gezeichnete Portraits ihrer Kinder hängen? Überhaupt hängen im gesamten Hotel mehrere Portraits der kaiserlichen Verwandten, über den Kaminen sind Familienwappen gezeichnet. Beim Anblick des sächsischen Wappens schlägt mein Herz immer einen Tick schneller, hier war es nicht anders.

Der Schwerpunkt der Führung lag bei der Technik und der technischen Entwicklung. Klar war das alles interessant: die Aufzüge, die Heizung, die Belüftung, die Elektrizität – aber… Meine Vorstellungskraft war nicht zu bremsen. Beim Betreten und Verlassen der Räume, beim Wandeln durch die Gänge und auf den Treppen versuchte ich mir vorzustellen, wie hier das alltägliche Leben von Victoria mit all diesen technischen Errungenschaften ablief, und unsere Gästeführerin geizte nicht mit Einzelheiten und Geschichten über „unsere Vicky“, die es meiner Phantasie ganz leicht machten.

Es ist eine Sache, über das Leben der Kaiserin Friedrich zu lesen, aber eine ganz andere, den gleichen Kamin in ihrem Arbeitszimmer zu betrachten, das gleiche Treppengelänger anzufassen und aus dem gleichen Fenster zu schauen, wie sie es vor mehr als einem Jahrhundert getan hatte… Nein, es ist nicht so, als ob man selbst dabei gewesen wäre :-D Es ist total schön, das alles heute noch sehen zu können, weil es geschätzt und erhalten wird.

Das war eine schöne Führung! Ich bin begeistert! Mein Mann ist froh, dass ich begeistert bin ;-)

Hessen: Sammlung Historischer Elektrogeräte Darmstadt

Die erste Führung aus der Broschüre „Tage der Industriekultur Rhein-Main 2021“, für die mein Mann uns angemeldet hat, war durch die Sammlung historischer Elektrogeräte Darmstadt (SHEDA) mit Herrn Hirz. Außer uns war noch ein Teilnehmer da und so hat Herr Hirz nur uns drei durch sein fantastisches Reich geführt.

Wir haben uns ganz nah die elektrischen Geräte der letzten 100 Jahre anschauen können. Es waren Haushaltsgeräte, Geräte für kosmetische Pflege für Mann und Frau, Unterhaltungs- und Bürotechnik… Habe ich etwas vergessen? Bestimmt, denn es gabt hier so viel zu sehen, dass ich einfach nicht aus dem Staunen kam.

Herr Hirz hat uns in zwei Stunden durch die hundertjährige Geschichte von HEAG, später HSE und nun ENTEGA geführt. Er erzählte von der Mitwirkung von HEAG an der Entwicklung und Verbesserung der elektrischen Geräte, aus seinen eigenen Erfahrungen im Unternehmen und auch kleine Anekdoten aus dem Berufsleben. Was für eine unerschöpfliche Quelle an Geschichtswissen und Erinnerungen! Man merkt gleich, sein Herz schlägt für diese Sammlung und das ist ansteckend.

Bis zu dieser Führung war mir zum Beispiel nicht bewusst aufgefallen, dass die Kühlschränke meiner Kindheit keine Ablagefächer in der Tür hatten. Die Isolierung hat sich verbessert! Aber habe ich das so wahrgenommen? Als technische Errungenschaft? Als Entwicklung? Irgendwie nicht. Ich fand es einfach nur toll und sehr praktisch. Aber natürlich gibt es hier auch ein paar Geräte, die sich zum Glück nicht durchgesetzt haben, weil sie wahre Stromfresser waren.

Die Sammlung ist so umfassend, dass sogar ich, die die ersten sechzehn Jahre meines Lebens nicht in Deutschland verbracht hatte, ganz viele elektrische und nicht elektrische Geräte gefunden habe, die mein Herz höher schlagen ließen, weil sie Erinnerungen geweckt hatten. Ein Diafilmprojektor! Hattet ihr auch einen in eurer Kindheit? Bild für Bild haben mein Bruder und ich die Filme vorgespult und die Geschichten laut vorgelesen. Einen Tauchsieder! Kennt noch jemand, was das ist? Nein? In einem Plastikeimer kann man ja so einen Tauchsieder auch wirklich schlecht einsetzen. Ein echtes Butterfass! Wie genial ist das denn! Von Waffeleisen, Fleischwolf und Samowar ganz zu schweigen. Meinem Mann und dem dritten Teilnehmer der Führung ging es ähnlich, nur blieben sie an anderen Geräten hängen als ich :-)

Eigentlich glaube ich, dass jeder Mensch hier seine eigene „Schätzchen“ entdecken wird. Sei es die Wäscheschleuder wie bei der Großmutter, der elektrische Rasierer wie beim Vater früher, die Kaffeemaschine wie bei den Schwiegereltern oder die Steckdosen wie in der ersten eigenen Wohnung ;-) Die Führung durch diese Sammlung ist wie eine kleine Zeitreise.

Hessen: Zeppelin-Museum

In den letzten Jahren waren wir mehrmals mit dem Tandem an Zeppelinheim vorbeigefahren. Jedesmal sagten wir uns, dass wir auch gezielt zum Zeppelin-Museum fahren sollen, aber wie das immer so ist, hatten wir es nie durchgezogen. In diesem Jahr habe ich dieses Museum auf die Liste unserer Ziele für das Jahr 2021 gesetzt.

Beim ersten Versuch haben wir uns total mit der Zeit vertan und standen 10 Minuten vor der Schließung da. Nicht so toll, nicht wahr? Daraus haben wir gelernt und hatten bei unserem zweiten Besuch ausreichend Zeit. Es sind erstmal nur drei Räume in denen aber ganz viel Geschichte steckt. Die Besucher erfahren hier über die Erfindung und die Blütezeit der Zeppeline, auch die dunklen Seiten werden nicht verschwiegen. Der Blick auf Rio von oben ist atemberaubend. Die Speisekarte von Hindenburg klingt für Ottonormalverbraucher eher unappetitlich. Das fand ich alles faszinierend. Noch mehr hätte ich mir technische Details gewünscht. Warum hat man mal Drei- und mal Vierkantträger verwendet? Wo waren die Flaschenzüge angebracht und welche Beschichtungen hat man verwendet? Wie sieht das Skelett eines Zeppelin aus?

Der Besuch im Zeppelin-Museum hat mein Interesse geweckt. Es fühlt sich so an, als ob ich etwas Leckeres sehe und rieche, mein Appetit ist geweckt, aber reinbeißen darf man noch nicht… In meinem Kopf schwirren so viele Fragen und ich werde dran bleiben, mich noch mehr über Luftschiffe zu informieren. Luftschiff! Wie das klingt!

Nach unserem Museumsbesuch, am Ausgang, hat mein Mann aus großer Auswahl zufällig die Broschüre „Tage der Industriekultur Rhein-Main 2021“ mitgenommen und uns für zwei darin angekündigten Führungen angemeldet. So hat uns der Besuch im Zeppelin-Museum noch zwei wunderbare Führungen beschert, von denen ich aber erst in den nächsten Beiträgen berichten werde.

Auf dem Nachhauseweg war dann auch noch der Riemen an unserem Tandem gerissen… ich weiß, ich weiß… eigentlich halten Riemen ewig… dieser nicht… Also mussten wir nach Hause laufen, so kam ich an diesem Tag noch zu meinen 10 000 Schritten und habe eine Challenge meine Fitness-App geschafft. Aber mittlerweile ist der neue Riemen gekauft und eingebaut. Also können wir auch wieder in den Sattel steigen :-D

Hessen: Vivarium in Darmstadt

Ganz spontan haben wir uns gestern dafür entschieden, heute ins Vivarium in Darmstadt zu gehen, und uns online-Tickets gekauft.

Mir hat der Tapetenwechsel ganz gut getan. Auch wenn mit Abstand und Maske, aber wieder unter Menschen zu sein war super.

Mit dem Tandem

Vor einer Woche war ich auf meiner ersten Demo. Mein Mann und ich hatten uns den Teilnehmern der Sternfahrt #aussteigen nach Frankfurt angeschlossen, wo gerade die Automesse IAA statt fand.

Bis wir mit dem Tandem zum Startpunkt in unserer Stadt kamen, bekam ich ordentlich graue Haare. Die Lieferwagen, die auf dem Fahrradweg parkten. Die plötzlich aufgerissenen Fahrertüren auf den Parkplätzen rechts vom Fahrradweg. Die Autos, die uns beim Einparken den Weg abschnitten, weil der Fahrradweg zwischen der Fahrbahn und den Parkplätzen verläuft. Ich wurde immer panischer, aber zum Glück sitze ich nicht am Lenker unseres Tandem und mein Mann hatte Ruhe bewahrt.

Als wir uns den anderen Radlern angeschlossen haben, wurde es besser. Die Kommunikation mit den anderen war ganz einfach, deswegen führen ganz oft auf einer Autofahrspur vier-fünf Radfahrer nebeneinander. Alle hatten ein ähnliches Tempo und genossen die Fahrt. Unterwegs schlossen sich uns immer mehr Radfahrer an und alle begrüßten einander mit fröhlichem Klingeln. Auch einige Autofahrer, die wegen der Demo nicht weiter kamen, haben freundlich und anerkennend gegrüßt.

Es vergingen Stunden bis wir in Frankfurt ankamen. Die Demo vor den Toren der Messe war im vollen Gange. Menschen aller Generationen waren hier. Die kleinsten krabbelten im Gras oder knabberten an einem Brezelstückchen. Die Erwachsenen applaudierten den Rednern auf der Bühne, unterhielten sich und machten Fotos. Aber bald war es auch schon Schluss und wir sind mit dem Tandem zurück nach hause gefahren.

Gestern, eine Woche nach der Demo, saßen wir wieder im Sattel. Wir sind wiedermal zur Baumschule in eine Nachbarstadt gefahren. Ein paar neue Stauden für den Garten mussten her. Die Prachtkerze packten wir in die linke, die Bartblume in die rechte Fahrradtasche. Die Schokoladenminze, Thymian und Enzian kamen in den Korb. So haben wir die Prachtstückchen nach Hause gebracht. Wie weit? 12 Kilometer haben sie gut überstanden.