Curd, so oder so…

Lemon Curd. Wer kennt ihn nicht? Ab und zu mache ich ihn auch selbst. Ab und zu mit zufriedenstellenden Ergebnissen.

Vor ein paar Jahren habe ich die Zitronen durch eine Grapefruit ersetzt, das Ergebnis hat mich umgehauen. Diese herb-süß-sauere Creme war der Hammer. Leider hat sich dieses Erfolgserlebnis nie wieder wiederholt. Die Angaben eine Grapefruit und vier Eier sind ja auch solch nicht reproduzierbaren Mengen. Mal hast du eine große Grapefruit und große Eier, mal… nicht.

Nun bin einen Schritt weiter gegangen. Heute ist meinen ersten Erdbeer-Rhabarber-Curd entstanden. Er schmeckt süß-sauer und duftet himmlisch. Die Farbe ist wie für ein Prinzessinenmärchen mit Happyend gemixt. Die Kamera kann das gar nicht richtig wiedergeben, also müsst ihr mir das glauben.

Nippon Connection

Im vergangenen Jahr waren mein Mann und ich in Düsseldorf zum Japantag gefahren. In diesem Jahr sind wir nicht so weit gereist, um etwas japanische Kultur zu schnuppern. Nur nach Frankfurt am Main.

Am Dienstag hat hier das 19. Japanische Filmfestival Nippon Connection angefangen. Heute waren wir in dem Vortrag „Umami und dashi –
Das Geheimnis der authentischen japanischen Küche“. Generalkonsulin Setsuko Kawahara und ihre Köchin Kyoko Gonda haben versucht, den Zuhörern die alltägliche japanische Küche näher zu bringen.

Uns war es schon vorher klar, dass Sushi in Japan nicht drei Mal am Tag gegessen wird. Heute haben wir einen kleinen Einblick bekommen, was und wie in Japan nicht in Restaurants sondern zuhause zubereitet wird, z.B. eingelegter Spinat, gebratener Lachs und eine würzige Fleischsauce.

Nach dem Vortrag konnte man noch Fragen stellen. Diese waren auch interessant, wie auch die Antworten darauf. Nach dem Vortrag haben wir uns noch mehr japanisches Essen schmecken lassen. Lecker!

Nostalgie

Gestern habe ich ganz nostalgisch mit Zwiebelschalen Eier für das orthodoxe Osterfest gefärbt, wie meine Mutter es früher immer gemacht hat. Aber das Ergebnis ist irgendwie unspektakulär:

Seht ihr einen Unterschied zu braunen Eiern?

So oder so… Wünsche ich allen, die wie meine Mutter das orthodoxe Osterfest feiern, frohe Ostern. Христос воркрес!

Vor 20 Jahren

Es gibt Ereignisse, an die erinnert man sich auch 20 Jahre später. Manche davon sind traurig, andere total schön. Danach ist nichts mehr wie zuvor. Genau so ist es mit dem Ereignis, an das sich meine Familie heute erinnert. Vor 20 Jahren, am 6.6.98 sind wir in Deutschland angekommen. Für uns begann ein anderes Leben.

Meine Eltern wären dagegen, dass ich darüber schreibe. Es ist ja auch kompliziert, weil dieses Ereignis nicht ein restlos glückliches, aber ein positives ist. Wie schafft man es, alles so „aufs Papier“ zu bringen, dass es keine Klage beziehungsweise gar eine Anklage wird? Ich kann es nur versuchen. Es ist nämlich wie es ist: es ist vergangen.

Der Umzug meiner Familie nach Deutschland bewegt mich immer noch sehr, also will ich über mein Ankommen schreiben. Ich werde die Dinge aus meiner Perspektive und so wie ich mich an sie erinnere aufschreiben. Am ereignisreichsten war natürlich das erste Jahr, das wird einen eigenen Post bekommen. Dann kamen Gymnasium und Studium, eine ziemlich ruhige Zeit für mich. Nach dem Studium wurde es nochmal stürmisch, so dass eigenen Post wert sein könnte. Für kurze Zeit war ich sogar staatenlos. Mittlerweile ist mein Leben ruhig, gemütlich, rosarot…

Gelesen: Wenn der Wind singt // Pinball 1973

Gleich nach „Die Stadt der wilden Götter“ habe ich ein Buch von Haruki Murakami angefangen, das zwei seine ersten Romane – „Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“ – enthält. In der Buchhandlung hat mich zuerst das Cover und dann auch noch der Text auf dem Buchumschlag gelockt, also kaufte ich mir das Buch.

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„Wenn der Wind singt // Pinball 1973“ von Haruki Murakami, Taschenbuch, btb Verlag, 2018, 267 Seiten

Dieses Buch ist anders als alle Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe. Die Romane selbst fand ich persönlich irgendwie nicht besonders aufregend, aber sie waren nicht langweilig. Die Wortwahl, der Schreibstil, die Metaphern und der Kapitelaufbau sind  ungewohnt und abenteuerlich.

Die Handlung zusammenzufassen, fällt mir schwer.

Der Protagonist studiert im ersten Roman in Tokio und ist über die Ferien in seiner Heimatstadt. Er trifft sich mit seinem Freund, der sich Ratte nennen lässt, in Jays Bar, sie reden über alles und nichts. Er lernt ein Mädchen kennen:

„Während ich die Windschutzscheibe mit einem Papiertaschentuch vom Staub befreite, schritt sie argwöhnisch um den Wagen herum und betrachtete das große Kuhgesicht, das mit weißer Farbe auf die Kühlerhaube gemalt war. Die Kuh trug einen großen Nasenring, hatte eine weiße Rose im Maul und lachte. Es war ein ziemlich ordinäres Lachen.
„Hast du das gemalt?“
„Nein, der Vorbesitzer.“

Man liest zwischen den Zeilen. Vieles bleibt ungesagt… Der Sommer geht zu Ende.

Vom zweiten Roman könnte man anfangs ein Schleudertrauma bekommen. Die Sprünge in der Handlung sind ruckartig und nicht vorhersehbar. Es ist, als ob man den Roman nicht als Buch sondern auf ganz vielen Zetteln geschrieben vor sich hat. Man schnappt sich irgendeinen, liest ihn und greift zum nächsten. Der Protagonist arbeitet im Übersetzungsbüro und einfach so, aus heiterem Himmel, wohnen bei ihm Zwillinge. Sie überreden ihn einen Verteiler zu „beerdigen“.

„…Aber grundlose Bosheit gibt es haufenweise auf der Welt. Weder du noch ich können das verstehen. Aber geben tut es das. Man könnte sogar sagen, wir sind umzingelt davon.“
Ratte starrte in sein Bier.  „Ich kapier’s nicht“, sagte er kopfschüttelnd.
„Macht nichts. Hauptsache, du kannst damit leben.“

Manchmal hatte ich beim Lesen gedacht, dieser Roman ist absurd. Stimmt aber nicht. Ich machte das Buch zu. Hielt das in meiner Hand, um mich von dem Tempo der Gedankensprünge zu erholen. Mein Blick fiel auf den Buchtitel. Pinball… Das ist die Lösung. Durch diese Erklärung hatte ich kein Problem mehr, das Tempo mitzuhalten. Ein Pinballspiel.

Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen und ich habe das mehrmals meinem Mann empfohlen, aber die Zitate die ich ihm vorgelesen oder zitiert habe, haben ihn eher abgeschreckt. Zu unrecht. Das Buch hat meinen Schreibstilhorizont sehr erweitert und ich empfinde es als ungemeine Bereicherung, es gelesen zu haben.