Gehört: „Bis ans Ende der Geschichte“ von Jodi Picoult

Hallihallo! Geht es Euch gut? Euren Lieben auch?

Hier ist alles im grünen Bereich. Wie im vergangenen Semester stecke ich über beide Ohren in der Arbeit, aber drei Sätze brachten mich dazu, meinen roten Stift zur Seite zu legen, und etwas drüber zu schreiben.

„Sie sieht aus wie ein Waschbär.
Ein erschöpfter, verstörter schöner Waschbär.
Sie hat schwarze Ränder unter den Augen – …“

Seit März, also seit ich nicht mehr täglich mit der S-Bahn zur Arbeit fahre, habe ich nur wenig gelesen, dafür aber etliche Hörbücher gehört. Beim Wäscheaufhängen. Bei der Gartenarbeit. Manchmal beim Kochen. Das Hörbuch, das ich heute zu Ende gehört habe, habe ich in der Onleihe ausgeliehen. Es heißt „Bis ans Ende der Geschichte“ von Jodi Picoult und hat mich sehr mitgenommen. In der Info zum Buch heißt es, dass um Schuld und Vergebung geht. Mein erster Impuls wäre dem zu widersprechen.

Doch kann die Tochter [der verstörte Waschbär] sich die Worte „Schuld“ und „Vergebung“ aus dem Kopf schlagen, wenn sie bei dem Unfall am Steuer saß, bei dem ihre Mutter tödlich verletzt wurde? Und das ist das, was den Kern dieses Hörbuchs ausmacht: Worte. Es geht um Worte, um ihre gewaltige Macht. Darüber, was das Gesagte bewirken… und anrichten kann. Darüber, was für Folgen das Unausgesprochene hat. Die Autorin macht es spannend. Erst am Ende wird aufgedeckt, wer die Worte „ich vergebe dir“ über die Lippen bringt und an wen sie gerichtet sind… Ich werde wohl noch eine ganze Weile über dieses Hörbuch grübeln…

alte Bücher…

Als Kind war ich schnell über meine Kinderbücher hinausgewachsen und durfte Bücher aus der Sammlung meiner Mutter lesen. Als erstes haben meine Finger natürlich „den kleinen Prinzen“ aus dem Regal gezogen. Ein „Märchen für Erwachsene“ klang so faszinierend für mich, dass ich unbedingt wissen wollte, worauf die Erwachsenen so „abfahren“. Ich mochte dieses Buch. Es hat meine Gefühlswelt etwas überfordert, aber ich mochte dieses Buch.

„Der kleine Prinz“ hat mir das Bücherregal meiner Mutter nicht abspenstig gemacht. Welche Bücher danach dran waren, weiß ich nicht mehr. Doch weiß ich, dass ich die Bücher von Jack London sehr gemocht hatte.

Wir lebten damals in der Sowjetrepublik Kasachstan und hatten auch Bücher von kasachischen Autoren. Ich kann mich kaum an sie erinnern. Aber die Erzählung „Белая аруана“ (heißt so viel wie: weiße Dromedarstute) von Satimschan Sanbajew hatte mich so beeindruckt, dass sie noch nach Jahrzehnten in meinen Gedanken immer wieder auftaucht. Nun habe ich das Internet nach einem Buch, das diese Erzählung enthält, durchstöbert und es ist ziemlich abenteuerlich. In Deutschland kann man das gar nicht kaufen. In Russland ist es oft „nicht auf Lager“. In Kasachstan wird es nur innerhalb vom Land verschickt. Klar ist es doch möglich, aber was für ein Aufriss! Und ich werde dabei so einen vermessenen Drang nicht los, mich mit Guy Montag aus „Fahrenheit 451“ zu vergleichen, der das gelesene Buch in seinem Gedächtnis vor dem Vergessen bewahrt.

Ist es nicht seltsam? Man kann heute ohne Probleme im Restaurant ein Steak vom argentinischen Rind essen oder kanadischen Ahornsirup bekommen. Man kann sich ein rotes Holzhäuschen mit weißen Fensterrahmen aus Schweden herbestellen. Wir tragen Kleidung, die um die halbe Welt transportiert wurde. Aber ein Buch aus eigenen Kindertagen aus einem Land, das es nicht mehr gibt, zu finden, zu erwerben, gleicht ein bisschen einer archäologischen Ausgrabung…

Gelesen: „Leonardos Fahrrad“ von Peter Köhler

In unserem Städtchen ist das Stadtfest untrennbar mit einem verkaufsoffenen Sonntag verbunden. Auch in diesem Jahr. Also habe ich mir nach dem Schlendern und Schlemmen zwei Bücher kaufen können. Eins davon ist „Leonardos Fahrrad“ mit dem Untertitel „Die berühmtesten FAKE NEWS von Ramses bis Trump“. Erschienen ist das Buch 2018 im Taschenbuchformat (256 Seiten) beim Verlag C.H.Beck.

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Im Prinzip ist für mich dieses Buch eine gewissenhaft zusammengetragene Sammlung von Geschichten zu diversen Fake News aus allen Epochen inklusive Entlarvungen und Richtigstellungen. Viele Berichte kannte ich schon, die Hälfte von dem für mich Unbekannten interessierte mich nicht. Man fragt sich, wieso ich das Buch dennoch zu Ende gelesen habe. Der Autor schreibt ganz toll darüber, wie die Menschen auf die Falschmeldungen, frisierte Autobiographien und lügende Journalisten und Politiker reagiert haben. In den meisten Fällen wird bereitwillig geglaubt. Gerüchte und ungeprüfte Äußerungen werden weitergetragen, der Sinn von Aussagen beim Weitergeben immer mehr verändert.

Ich persönlich finde dieses Buch als Unterhaltung sterbenslangweilig, aber als „Diskussionsgrundlage“ oder Denkanstoß sehr anregend. Wer kennt heutzutage noch die Wahrheit? Wie kann ein durchschnittlicher Mensch die Fake News, ganz gleich ob im Kleinen oder im Großen, als solche erkennen? Lasse ich persönlich mich auch durch Falschmeldungen lenken, weil ich manchen Berichterstatter weder besseren Wissens für seriös halte? Wird in hundert Jahren eine Kommission feststellen, wie die Massen heute gelenkt wurden? Was werden die nächsten Generationen daraus lernen? Wie man es noch besser machen kann?

Offen bleibt für mich auch die Frage nach dem Wahrheitsgehalt dieses Buchs. Soll ich, um dem Autor nicht auf dem Leim zu gehen, jede Aussage auf den 256 Seiten nachprüfen, in Archiven Stöbern, Berichte der staatlichen Kommissionen lesen?

Ein Manga kommt selten allein

Seit anderthalb Jahren schaue ich wieder viele Animes. Dass ich ein Serienjunkie bin, lässt sich nicht verheimlichen.

An zwei Serien war mein Interesse so groß, dass ich mich nach langer Überlegung für die entsprechenden Mangas entschieden habe. Ein Anruf in der Buchhandlung, vier ISBN-Nummern durchgesagt, am nächsten Tag konnte ich sie nach der Arbeit abholen. Je zwei erste Bände von „Inspector Akane Tsunemori“ und „Seraph of the End“. Mittlerweile sind weitere vier dazu gekommen.

Buecher

Eine ganz leise Stimme in mir behauptet, Manga sei nur etwas für Jugendliche. Dabei sind so viele Tötungs- und Gewaltszenen in den zwei von mir ausgewählten gezeichnet… Das ist nichts für Jugendliche!

Jetzt ist es raus, in beiden Mangas geht es nicht friedlich zu. „Seraph of the End“ spielt in einer Welt voller Menschen, Vampire und Dämonen, die alle irgendwie nicht miteinander können. Also wird gelitten, gekämpft, getötet und noch mehr gelitten. „Inspector Akane Tsunemori“ lebt in einer Zukunft, die mir grausig erscheint. In dieser Zukunft wird das Leben von jedem Einzelnen in Japan von einem so eine Art Computer gesteuert, der entscheidet, wer zu einander am besten passt, für welche Arbeit man geeignet ist und ob man ein Verbrecher ist. An jeder Ecke wird man gescannt, ob man glücklich und zufrieden ist. Wehe wenn nicht!

Es ist interessant mich selbst beim Lesen zu beobachten. Ich kenne die Handlung, ich weiß, wer wann und was sagen wird, aber ich kann mich von den Seiten nicht losreißen. Ich bewundere die Ausdruckskraft der Bilder und die komplexe Gestaltung der Charaktere. Die Kombination aus Bild, Text und der menschlichen Vorstellungskraft hat eine großartig Wirkung auf mich. Ich kichere herzlich beim Lesen zuhause und in der S-Bahn.

Dass ich nun komplett auf Manga umsteigen werde, ist unwahrscheinlich. Aber gerade bereiten sie mir sehr viel Spaß…

Gelesen: Wenn der Wind singt // Pinball 1973

Gleich nach „Die Stadt der wilden Götter“ habe ich ein Buch von Haruki Murakami angefangen, das zwei seine ersten Romane – „Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“ – enthält. In der Buchhandlung hat mich zuerst das Cover und dann auch noch der Text auf dem Buchumschlag gelockt, also kaufte ich mir das Buch.

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„Wenn der Wind singt // Pinball 1973“ von Haruki Murakami, Taschenbuch, btb Verlag, 2018, 267 Seiten

Dieses Buch ist anders als alle Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe. Die Romane selbst fand ich persönlich irgendwie nicht besonders aufregend, aber sie waren nicht langweilig. Die Wortwahl, der Schreibstil, die Metaphern und der Kapitelaufbau sind  ungewohnt und abenteuerlich.

Die Handlung zusammenzufassen, fällt mir schwer.

Der Protagonist studiert im ersten Roman in Tokio und ist über die Ferien in seiner Heimatstadt. Er trifft sich mit seinem Freund, der sich Ratte nennen lässt, in Jays Bar, sie reden über alles und nichts. Er lernt ein Mädchen kennen:

„Während ich die Windschutzscheibe mit einem Papiertaschentuch vom Staub befreite, schritt sie argwöhnisch um den Wagen herum und betrachtete das große Kuhgesicht, das mit weißer Farbe auf die Kühlerhaube gemalt war. Die Kuh trug einen großen Nasenring, hatte eine weiße Rose im Maul und lachte. Es war ein ziemlich ordinäres Lachen.
„Hast du das gemalt?“
„Nein, der Vorbesitzer.“

Man liest zwischen den Zeilen. Vieles bleibt ungesagt… Der Sommer geht zu Ende.

Vom zweiten Roman könnte man anfangs ein Schleudertrauma bekommen. Die Sprünge in der Handlung sind ruckartig und nicht vorhersehbar. Es ist, als ob man den Roman nicht als Buch sondern auf ganz vielen Zetteln geschrieben vor sich hat. Man schnappt sich irgendeinen, liest ihn und greift zum nächsten. Der Protagonist arbeitet im Übersetzungsbüro und einfach so, aus heiterem Himmel, wohnen bei ihm Zwillinge. Sie überreden ihn einen Verteiler zu „beerdigen“.

„…Aber grundlose Bosheit gibt es haufenweise auf der Welt. Weder du noch ich können das verstehen. Aber geben tut es das. Man könnte sogar sagen, wir sind umzingelt davon.“
Ratte starrte in sein Bier.  „Ich kapier’s nicht“, sagte er kopfschüttelnd.
„Macht nichts. Hauptsache, du kannst damit leben.“

Manchmal hatte ich beim Lesen gedacht, dieser Roman ist absurd. Stimmt aber nicht. Ich machte das Buch zu. Hielt das in meiner Hand, um mich von dem Tempo der Gedankensprünge zu erholen. Mein Blick fiel auf den Buchtitel. Pinball… Das ist die Lösung. Durch diese Erklärung hatte ich kein Problem mehr, das Tempo mitzuhalten. Ein Pinballspiel.

Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen und ich habe das mehrmals meinem Mann empfohlen, aber die Zitate die ich ihm vorgelesen oder zitiert habe, haben ihn eher abgeschreckt. Zu unrecht. Das Buch hat meinen Schreibstilhorizont sehr erweitert und ich empfinde es als ungemeine Bereicherung, es gelesen zu haben.