Gelesen: Wenn der Wind singt // Pinball 1973

Gleich nach „Die Stadt der wilden Götter“ habe ich ein Buch von Haruki Murakami angefangen, das zwei seine ersten Romane – „Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“ – enthält. In der Buchhandlung hat mich zuerst das Cover und dann auch noch der Text auf dem Buchumschlag gelockt, also kaufte ich mir das Buch.

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„Wenn der Wind singt // Pinball 1973“ von Haruki Murakami, Taschenbuch, btb Verlag, 2018, 267 Seiten

Dieses Buch ist anders als alle Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe. Die Romane selbst fand ich persönlich irgendwie nicht besonders aufregend, aber sie waren nicht langweilig. Die Wortwahl, der Schreibstil, die Metaphern und der Kapitelaufbau sind  ungewohnt und abenteuerlich.

Die Handlung zusammenzufassen, fällt mir schwer.

Der Protagonist studiert im ersten Roman in Tokio und ist über die Ferien in seiner Heimatstadt. Er trifft sich mit seinem Freund, der sich Ratte nennen lässt, in Jays Bar, sie reden über alles und nichts. Er lernt ein Mädchen kennen:

„Während ich die Windschutzscheibe mit einem Papiertaschentuch vom Staub befreite, schritt sie argwöhnisch um den Wagen herum und betrachtete das große Kuhgesicht, das mit weißer Farbe auf die Kühlerhaube gemalt war. Die Kuh trug einen großen Nasenring, hatte eine weiße Rose im Maul und lachte. Es war ein ziemlich ordinäres Lachen.
„Hast du das gemalt?“
„Nein, der Vorbesitzer.“

Man liest zwischen den Zeilen. Vieles bleibt ungesagt… Der Sommer geht zu Ende.

Vom zweiten Roman könnte man anfangs ein Schleudertrauma bekommen. Die Sprünge in der Handlung sind ruckartig und nicht vorhersehbar. Es ist, als ob man den Roman nicht als Buch sondern auf ganz vielen Zetteln geschrieben vor sich hat. Man schnappt sich irgendeinen, liest ihn und greift zum nächsten. Der Protagonist arbeitet im Übersetzungsbüro und einfach so, aus heiterem Himmel, wohnen bei ihm Zwillinge. Sie überreden ihn einen Verteiler zu „beerdigen“.

„…Aber grundlose Bosheit gibt es haufenweise auf der Welt. Weder du noch ich können das verstehen. Aber geben tut es das. Man könnte sogar sagen, wir sind umzingelt davon.“
Ratte starrte in sein Bier.  „Ich kapier’s nicht“, sagte er kopfschüttelnd.
„Macht nichts. Hauptsache, du kannst damit leben.“

Manchmal hatte ich beim Lesen gedacht, dieser Roman ist absurd. Stimmt aber nicht. Ich machte das Buch zu. Hielt das in meiner Hand, um mich von dem Tempo der Gedankensprünge zu erholen. Mein Blick fiel auf den Buchtitel. Pinball… Das ist die Lösung. Durch diese Erklärung hatte ich kein Problem mehr, das Tempo mitzuhalten. Ein Pinballspiel.

Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen und ich habe das mehrmals meinem Mann empfohlen, aber die Zitate die ich ihm vorgelesen oder zitiert habe, haben ihn eher abgeschreckt. Zu unrecht. Das Buch hat meinen Schreibstilhorizont sehr erweitert und ich empfinde es als ungemeine Bereicherung, es gelesen zu haben.

Gelesen: Die Stadt der wilden Götter

Eigentlich lese ich Bücher sehr langsam, da ich nur in der S-Bahn, also höchstens 30 Minuten am Tag und nur unter der Woche lese. Aber mit dem Buch „Die Stadt der wilden Götter“ von Isabel Allende, das ich aus dem öffentlichen Bücherschrank gefischt habe, war ich ganz schnell fertig.

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„Die Stadt der Wilden Götter“ von Isabel Allende, Roman im Taschenbuchformat von Suhrkamp Verlag, 2004, 325 Seiten

Es ist ein märchenhaftes Abenteuer von zwei Teenagern. Der fünfzehnjährige Alexander Cold begleitet seine Großmutter nach Südamerika. Sie ist Journalistin, die mit einer Forschungsexpedition ins Amazonasgebiet reist. Dort wurde eine riesige, stinkende und mordende Bestie gesichtet, die es zu finden gilt. Auf dieser Reise freundet sich Alex mit der zwei Jahre jüngeren Nadia an.

„… sie hatte noch nie einen Computer gesehen, war nie auf eine Schule gegangen und hatte auch noch keinen Winter erlebt. Dafür konnte sie frei und ungestört inmitten der Natur leben, und darum beneidete Alex sie ein bisschen. Sie hatte eine rasche Auffassungsgabe und verfügte über ein Wissen, das ihm sicher für immer verborgen bleiben würde.“

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Gelesen: „Mein Leben in Deutschland begann mit einem Stück Bienenstich“ von Viktor Funk

Im August wurde in Frankfurter Rundschau ein Auszug aus dem Debütroman mit diesem langen Namen veröffentlicht. Bei mir hat der Auszug seine Wirkung nicht verfehlt und bald hielt ich das Buch in meinen Händen.

Viktor Funk ist nicht in Deutschland geboren worden. Handelt es sich vielleicht um eine Autobiografie? Explizit steht es nicht da.

Der Protagonist A. ist ein – ich schätze mal, junger – Mann, der als Elfjähriger mit seinen Eltern von der Sowjetunion nach Deutschland kam. Seine Großeltern mütterlicherseits blieben in der sowjetische Republik Kasachstan zurück.

Mit seinem besten Freund Mark – einem Deutschen – teilt A. die Leidenschaft zum Angeln. Mit Mark braucht A. sich nicht zu verstellen. Currywurst, die richtige Verwendung von Pronomen und Markenschuhe stehen nicht im Mittelpunkt dieser Freundschaft.

Als A. Marie kennenlernt, stellt sie seine Gefühlswelt auf den Kopf. Nicht nur seine Gefühle zu ihr, sondern seiner Umwelt gegenüber werden auf den Prüfstand gestellt. Sie kam als Erwachsene aus eigenem Entschluss nach Deutschland und gibt sich hier anders. Mir fällt nur das Wort „unangepasst“ ein. Ihr Auftauchen in seinem Leben provoziert A.’s Suche nach seinem eigenem Platz in der Gesellschaft, nach seinem eigenen unangepasstem Ich.

Ich fand das Buch sehr kurzweilig, aber meiner Meinung ist nicht zu trauen, weil ich voreingenommen bin. Ganz oft fand ich mich in dem Protagonisten wieder. Die Ereignisse entwickeln sich relativ schnell, die Ortswechsel sind gut platziert. Die Erinnerungspassagen, die wie feine Spinnweben das ganze Buch durchziehen, nehmen nie Überhand. Wie eine Brücke verbindet das Angeln die Vergangenheit und die Gegenwart der Hauptfigur. Ist die Angelschnur etwa der rote Faden des Buchs? Kann schon sein. Der Gedanke gefällt mir.

Juni

Wie soll man nur nach einer längeren Funkstille anfangen weiter zu schreiben? Wo fängt man an? Das ging so etwa vor drei Wochen los…

Zuerst habe ich bei Raphaele (Blog: Maschenzucker) ein eBook gewonnen: Eine Nähanleitung für ein wunderhübsches Gänseblümchen-Kleidchen von Firlefanz für Mädchen. Da ich das Kleidchen NOCH nicht genäht habe, gibt es kein Foto, aber bei Raphaele gibt es zauberhafte Fotos.

Kurz bevor es nach Leipzig ging, habe ich erfahren, dass ich bei Sandra (Nana – Der Bücherblog) auch ein Buch gewonnen habe, einen Roman von Julie Cohen „Das Gefühl, das man Liebe nennt“.

Die oben erwähnte Fahrt nach Leipzig war schon sehr, sehr lange geplant. Unsere Freunde haben sich endlich das Jawort gegeben und wir waren eingeladen dabei zu sein und mitzufeiern. Das war eine Märchenhochzeit!

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Als wir wieder zuhause waren haben wir unsere erste Gurke in diesem Jahr geerntet. Ein Paar Tage später auch einen Kohlrabi. Und dann noch einen und noch einen. Mittlerweile ist auch der Stachelbeerstrauch fast leer gegessen.

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So lange das Buch von Sandra noch mit der Post unterwegs war, habe ich mir das Buch von Natascha Wodin „Sie kam aus Mariupol“ gekauft und sofort angefangen zu lesen. Mein Mann meinte, du wirst darüber weinen. Ja das werde ich, aber ich möchte dieses Buch lesen. Paar Tage darauf lag auch mein Gewinn von Sandra im Briefkasten. Also lese ich zur Zeit vier Bücher gleichzeitig.

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Ist das nicht irre, zwei gewonnene Bücher in einem Monat?! Von mir aus kann es immer so weiter gehen…

Gerne wollten wir beide draußen lesen, aber in unserem Garten gibt es am Tag kein schattiges Plätzchen und die Sonne schien im Juni gnadenlos. Also haben wir unser Tandem aus dem Keller geholt und waren zum Lesen in einen etwas weiter entferntem Park gefahren.

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Und, als ob ich damit mein Glück fürs ganze Jahr bereits ausgeschöpft hatte, hatte ich heute wieder eine Zahn-OP und, so wie es aussieht, werde mich wohl mindestens für den Rest des Monats nur von Apfelmus und pürierten Nudeln ernähren können. Ich verspreche, tapfer zu sein…