Letzten Sommer hatte ich eine Koch-Krise. Oder vielleicht war das eine Rezepte-Krise?

Die Bilder in den abonnierten Foodblogs und Rezepte-Newsletter sehen immer so atemberaubend perfekt aus, dass ich alles gleichzeitig nachkochen und nachbacken will. Meine Ergebnisse sehen aber ziemlich gewöhnlich aus oder ich brauche so viel Zeit für die Zubereitung und das Arrangement, dass beides frustrierte.

Ostern. 100 Rezepte. Hitze. 500 Rezepte. Weihnachten. 2000 Rezepte… flattern per Mail oder im Reader rein. Erdbeeren und Trauben im Winter. Avocado ganzjährig. Zuckerschotten aus Südafrika. Das frustrierte noch mehr…

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Klar „sündige“ ich ab und zu auch. Meistens mit zu frühen Erdbeeren nach dem viel zu langen Winter. Klar wachsen Avocados nicht in Deutschland. Aber wenn man die Masse erkennt… wie viele Menschen sich überhaupt keinen Kopf darüber machen, woher die Früchte kommen und ob es gerade Saison für diese ist, und auch noch andere dazu animieren, es ihnen gleich zu tun… plötzlich gehen diejenigen, die saisonal und ökologisch kochen, in dieser Masse unter!

Letzten Sommer hatte also meine Frust irgendeine unsichtbare Marke erreicht und ich hielt es nicht mehr aus. Ich hatte mich von allen aktiven Foodblogs und von allen Rezepte-Newslettern abgemeldet und habe mich auf meine Kochbücher und -zeitschriften besinnt. Ich habe so viele, dass ich wahrscheinlich bis zum Rest meines Lebens kein Rezept zweimal kochen müsste, wenn ich die Gemüserezepte mitzähle.

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Ich habe mich an die Tage erinnert, als ich meine Kochbücher gekauft hatte oder sie als Geschenk bekam und das erste Mal darin geblättert hatte. Da ist etwas, was einen lockt. „Dieses Rezept mache ich als erstes.“ – denkt man sich dabei.

Also habe ich in diesen Büchern geblättert. Da ist ein „Studentenkochbuch“ von einer Freundin, darin ist unser Lieblingsrezept für Lasagne. Im „Das Backbuch“ gibt es kaum Bilder, aber darin ist unser Lieblingsrezept für Rhabarberblechkuchen. Meine Lieblingszeitschrift für Weihnachstgebäck ist mindestens 10 Jahre alt, aber ich werde sie nie her geben.

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Ich hatte mich von schillernden „Glanzbildern“ im Internet blenden und ablenken lassen. Es gibt Köche, die mit ihren Gerichten beeindrucken und begeistern wollen. Es gibt Köche, die ganz viel Zeit in die Einzigartigkeit und Optik ihrer Gerichte investieren. Sie haben eine ganz andere Motivation als ich. Ich will Spaß am Kochen und backen haben und komme damit klar, dass manchmal meine improvisierte Gerichte optisch eine Katastrophe sind. Ich koche Erinnerungen…

Der erste Kuchen, den wir zusammen gebacken haben, der schwedische Apfelkuchen. Er ging total in die Hose. Die marokkanische Rindersuppe, die wir für unsere Freunde gekocht haben. Der Eierlikörkuchen für unsere Einzugsparty, der allen so gut geschmeckt hat. Wahrscheinlich, weil ich statt Eierlikör für den Teig und die Glasur aufzuteilen, alles in den Teig gekippt hatte… *grins*

Die Krise habe ich überstanden und koche wieder gern, meist saisonal, meist mit regionalen Produkten, meist aus meinen Kochbüchern und -zeitschriften. Aber ab und zu ist nun wieder ein Rezept aus dem Netz dabei… ungeachtet der hübschen Bildern!

2 Gedanken zu “Kochbücher und Foodblogs

  1. Ach, das kann ich so gut verstehen. Und ich bin froh, dass du die Freude am Kochen wieder gefunden hast.
    Ich fange mir diesem Perfektionismus-Frust auch immer mal wieder ein. Weniger beim „Food-Bloggen“ (ich weiß von meinem Job her, was für eine Augenwischerei hinter diesen falschen Hochglanzbildern steckt), viel mehr kriege ich den Frust im DIY Bereich, meist um Weihnachten herum. Da ist dann so viel „offensichtlich Perfektes“ überall zu sehen, dass ich selbst gar nicht bloggen mag und total blockiert bin.
    Aber Gott sei Dank legt sich das dann nach ein paar Wochen wieder und ich freue mich an der Realität.
    Herzliche Grüße
    vonKarin

  2. Ja, so eine Krise kann wohl jeder mal bekommen, man bekommt wirklich eine große Flut an Rezepten. Ich schaue nur auf zwei Seiten: Chefkoch und Slava (ihre Seite würde dir bestimmt gefallen, bei ihr ist alles so schön „normal“ und die Rezepte wirklich toll!) Ansonsten schaue ich in zwei Kochbücher und ein Backbuch regelmäßig rein, das war es, ach, und bei Torten gezielt auf Pinterest… Schöne Erinnerungen hast du uns erzählt! Das Rezept für den Eierlikörkuchen hätte ich zu gerne :oD Die schmecken nämlich meistens kaum danach ;o) Hm, deine Bilder machen Appetit. Ist auf dem letzen Bild eine Engardiner Nusstorte dabei? Die hab ich einmal gemacht. Dabei habe ich mir den Daumen so verbrannt, dass ich immer noch eine kleine Narbe davon habe und beim Essen des Kuchens ist meinem Schwiegervater ein Zahn abgefallen :oD Kannst dir denken, dass es das letzte Mal war… lg, Raphaele

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