Das kann ich mir nicht vorstellen…

von chaoslady

… hören wir oft als Reaktion darauf, dass wir kein Auto haben. Nach und nach entwickelte sich eine Idee, es einfach zu erzählen, wie unser Leben ohne ein eigenes Auto funktioniert.

Studium

Während des Studiums in Leipzig war alles in der Stadt mit Bus, Straßenbahn oder – für meinen Mann – mit dem Fahrrad leicht erreichbar. Zu unseren Eltern sind wir, so weit es ging, mit dem Zug gefahren und dann mit dem Bus weiter oder wir wurden von ihnen vom nächsten Bahnhof abgeholt. Sie übernahmen für uns auch ab und zu Transporte von sperrigen Sachen. Wir erinnern uns sehr gern daran, dass, als unser Fernseher damals den Geist aufgab und wir einen uralten anderen kostenlos übers schwarze Brett bekamen, wir ihn mit dem Linienbus transportiert haben. Und ein anderes Mal bekam mein Mann von einer Freundin große Lautsprecher und Verstärker geschenkt, die hat er mit einem Taxi nach Hause gebracht.

Umzug nach Hessen

Als wir in Hessen eine Wohnung gesucht haben, hat meine Schwiegermutter uns ihr Auto geliehen. Für den Umzug selbst haben wir einen Transporter gemietet. Viele machen das so.

Am Tag des Umzugs hat mein Schatz den Transporter geholt, unsere Freunde haben uns geholfen, ihn mit unserem Kram vollzustopfen. Nach fünf Stunden Fahrt waren wir in unserem neuen Zuhause angekommen. Mein Bruder war mit uns gekommen und hat uns beim Ausladen geholfen. Am nächsten Tag sind wir alle drei zurück nach Leipzig gefahren und haben dort den Transporter abgegeben. Er war also weniger als 36 Stunden uns. Dann ging es (nach einem Zwischenstopp bei unseren Eltern) mit dem Zug zurück nach Hessen.

Arbeitsleben

Zur Arbeit fahre ich jetzt mit der S- oder Regionalbahn. Mein Mann fährt mit der S-Bahn und steigt dann in einen Bus um. Wenn die Bahn streikt, wird es immer hässlich. Dann weichen wir auf die Busverbindungen aus. Diese Fahrten dauern dann drei – bis fünfmal so lange, aber man kommt vorwärts.

Alltag

Einen Wocheneinkauf machen wir auch. Wir nehmen unsere Rücksäcke und Stoffbeutel mit und tragen den Einkauf darin nach Hause. Getränke gehören dazu. Aber ab und zu holt mein Mann auch mit seinem Fahrradanhänger ein paar Kästen Limonade.

2017-04-Fahrradanhaenger

Mit demselben bringt er auch den Grünschnitt zum Wertstoffhof oder die eingekauften Pflanzenerde und neuen Pflänzchen nach Hause.

Das Sperrgut haben wir mal bei den Kommunalen Betrieben der Stadt angemeldet und das wurde vor der Haustür abgeholt.  Die neuen Möbeln sowie Teppiche kann man liefern lassen. Ein neues Bild fürs Arbeitszimmer haben wir im letzten Herbst aus dem Nachbardorf mit unserem Tandem nach Hause gebracht. Mein Mann lenkte, ich hielt das Bild fest.

Freizeit

In unserer Freizeitgestaltung sind wir vielmehr durch Zeitmangel als durch das Fehlen von Pkw eingeschränkt. Unsere Ausflüge und Reisen machen wir per Bus und Bahn, seit Neustem auch mit dem Tandem. Ins Ausland (bis auf Österreich) sind wir bis jetzt immer geflogen. Klar gibt es auch Reiseziele, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar sind, aber da findet sich auch immer eine Lösung.

Besondere Anlässe

Es gibt aber auch Ausnahmesituationen. Als mein Mann einen Sehnenriss hatte, haben wir uns ein Taxi gerufen, das uns in die Notaufnahme brachte. Ebenso mit dem Taxi sind wir nach meiner Zahn-OP nach Hause gekommen.

Im vergangenen Sommer haben unsere Freunde in der Nähe von Leipzig geheiratet. Dafür fanden wir auch die richtigen Verkehrsmittel. Wir sind am Vortag mit dem Fernbus nach Leipzig gefahren. Für den Tag der Hochzeit hatten wir ein Auto gemietet und konnten sogar noch zwei andere Gäste mitnehmen, die selbst ohne ein Auto da waren. Und am nächsten Tag sind wir nach dem Frühstück gemütlich mit dem Fernbus nach Hause gefahren.

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Im Prinzip machen wir uns selbst überhaupt keine Gedanken darüber, dass wir kein Auto haben. Nur manchmal – im Winter – frage ich meinen Mann, wenn sein Bus wieder im Stau stand und er deswegen den Anschlusszug verpasst hat, ob er es mit dem Auto nicht einfacher hätte. Er antwortet, er stünde damit ja auch nur im selben Stau, in dem er mit dem Bus stand. Im Bus kann er ein Buch oder eine Zeitung lesen.

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