Schon als ich ein paar Seiten dieses Buchs gelesen habe, das ich mir von meiner Schwiegermutter geliehen habe, war mir klar, dass ich etwas darüber schreiben möchte. Etwas Gutes…
tschickZuerst war ich von der Sprache gefesselt, die so leichtfüßig scheint. Dann zogen mich auch die Sensibilität und die Reinheit in ihren Bahn, mit denen hier manch delikate Situationen und Gefühle beschrieben werden.

Maiks Mutter ist alkoholkrank, sein Vater, milde gesagt, ein Rindvieh. Maik hat keine Freunde und ist mäßig in fast allem, was er macht. Das Mädchen, in das er heimlich verliebt ist, lädt ihn nicht zur ihrer Party ein, zu der praktisch jeder eingeladen ist. Mit einem Wort ist er (in den Augen der Welt) ein Loser. Bis er auf Tschick trifft.

Wolfgang Herrndorf hat über ihn eine Story geschrieben, die beim Lesen kein Mitleid aber Mitgefühl weckt, die zum Lachen bringt und Augen öffnet.

„Er [der Mann am Telefon] kicherte. Und das brachte mich endgültig aus dem Konzept. Wenn er aufgelegt hätte oder rumgeschrien, das hätte ich noch verstanden, nachts um vier. Aber dass er sich die ganze Zeit amüsierte und uns seine Hilfe anbot – alter Finne. Seit ich klein war, hatte mein Vater mir beigebracht, dass die Welt schlecht ist. Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. Wenn man Nachrichten guckte: Der Mensch ist schlecht. Wenn man Spiegel TV guckte: Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war. Da klingelt man nachts um vier irgendwen aus dem Bett, weil man gar nichts von ihm will, und er ist superfreundlich und bietet auch noch seine Hilfe an. Auf so was sollte man in der Schule vielleicht auch mal hinweisen, damit man nicht völlig davon überrascht wird…“

Dazu fällt mir nur noch eins ein: alter Finne!

4 Gedanken zu “Gelesen: Tschick

  1. Also, ich fühle mich vorgewarnt *grins* hab aber noch nicht ausprobiert nachts um Vier jemanden aus dem Bett zu schmeißen ;o) Es ist so schön, wenn man sich in einem Buch von Anfang an wohl fühlt :o) lg, Raphaele
    P.S.: Bitte wundere dich nicht, dass ich deinen letzten Kommentar entfernt habe… ich könnte heulen deswegen, es war ein Missgeschick, der sich scheinbar nicht rückgängig machen lässt :o( Meine Antwort dazu steht noch, na toll… ;o)

    1. Liebe Raphaele,
      ich glaube, das passiert immer wieder einer/-m von uns und ich kann mir bildhaft vorstellen wie verzweifelt du warst, weil mir das auch schon mal passiert ist. Mach dir also keine Sorgen!
      LG Natalia

  2. Tolles Zitat ausgewählt, macht Lust auf mehr. :)
    Ich habd as Buch selbst auch noch nicht gelesen, aber ich weiß, dass es viel in den Schulen behandelt wird und die Schüler dieses oft als eines der besten Bücher nennen, die sie je in der Schule gelesen haben. Und das will immerhin was heißen ;)

    1. Ach, das ist ja interessant! Ich wusste nur von einem Kollegen, dass sein Sohn das Buch gelesen hat, aber ich wusste nicht, dass das Buch eben in der Schule behandelt wird. Das ist toll!
      Schnapp‘ dir das Buch, wenn du eine lange Bus- oder Zugfahrt vor dir hast, das liest sich in einem Atemzug!
      LG Natalia

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