Selbstverteidigung

by chaoslady

Bevor ihr eure Gedanken eine falsche Richtung einschlagen, erkläre ich mal, wie ich zu dem Schnupperkurs in Selbstverteidigung kam. Für meinen Schatz. Seine Freunde haben ihm vorgeschwärmt, dass so ein Kurs Spaß macht und er wurde neugierig. Aber immer wenn ein neuer neuer Kurs begann, setzte er andere Prioritäten. Nun habe ich gedacht, wenn wir uns beide einschreiben, würden die Wahrscheinlichkeit steigen, dass wir das auch tatsächlich durchziehen. So kam es auch.

Ein Paar Tage vor dem Kursbeginn, meinte meine Mutter, ich würde den Kurs nicht bis zum Ende mitmachen, denn ich habe keine Ahnung wie viele blaue Flecken man da bekommt. Eine trotzige innere Stimme in mir sagte so was wie „das werden wir ja sehen!“.

Mit den blauen Flecken hatte sie vollkommen Recht. Und auch wenn ich nicht aus Zucker bin, hatte ich nach der ersten Stunde wirklich keine Lust mehr. Da prallten einfach Welten aufeinander. Bücherwurm trifft Sportlehrer! Ich fühlte mich in meine Schulzeit zurückversetzt und hatte keine Lust mir das nochmal anzutun, indem ich den Kurs weiter mache.

Die blauen Flecken auf meiner rechten Hand taten in der ersten Woche so weh, dass wir zu hause alles mit links geübt haben. Durch die selbstständigen Übungen zu hause haben sich meine Gefühle dem Kursleiter gegenüber etwas gelegt und eine Woche später ließ ich mich von meinem Mann dazu überreden, wieder mitzukommen. Wir haben uns ausgemacht, den Unterricht ernster zu nehmen als beim ersten Mal und es lief tatsächlich besser. Und das jedes Mal.

Gestern war die vierte und letzte Stunde des Schnupperkurses und diesmal habe ich gar keine neuen blauen Flecken bekommen. Aber der Einladung des Kursleiters an einem umfassenden Kurs teilzunehmen, werde ich nicht folgen.

Ich habe Einiges aus diesem Kurs mitgenommen. Auf meinen Fluchtinstinkt zu hören und mich auf meinen Selbsterhaltungstrieb zu verlassen. Und die Übungen selbst, das ist klar. Und wir werden sie weiterhin ab und zu wiederholen. Am Anfang waren das einfach sportliche Übungen, aber gestern habe ich mich dabei erwischt, dass ich beim Üben dachte: „Wenn ich den Angreifer so abwehre, dann muss ich schnell weglaufen, bevor er wieder aufsteht.“ Oder als der Lehrer uns gestern eine neue Übung gezeigt hatte und mich in der Mangel hatte, habe ich mich gewehrt, was ich in den ersten Stunden nie gemacht hätte. Auf seine eigene Art konnte uns letztendlich doch sehr gut vermitteln, dass, auch wenn unsere eigene Welt rosarot sei, wir für einen Ernstfall trainieren würden.

Möge dieser Ernstfall nie eintreffen!