Ausgeflogen

von chaoslady

Auch in diesem Jahr hatten wir ein Nisthäuschen für Meisen in unserem Garten aufgehängt. Ein nigelnagelneues. Ungewöhnlich lange blieb das zuerst unbewohnt. Und als die Meisen unsere Nisthilfe doch für sich entdeckten, ist es uns zuerst nicht aufgefallen, aber als ihre Kleinen geschlüpft sind, stellten wir fest, dass „unsere“ Meisen selbst sozusagen eine Meise hatten. Sie legten immer eine ausgeklügelte und besonders komplizierte Flug-Hüpf-Vorstellung an den Tag, um zu verschleiern, dass sie in ausgerechnet dieses Vogelhäuschen wollten. Wie in einem Spionagefilm. Ja sicher gehen, dass ihnen keiner folgt. Oscarreif. Als die Eltern es dann doch rein geschafft hatten, piepsten die Kleinen sich die Seele aus dem Leib. Da im vergangenen Jahr die gesamte Brut ums Leben gekommen war und wir Verdacht hatten, dass irgendwo in umliegenden Gärten Gift gespritzt wurde, welches die Kleinen mit dem Futter aufgenommen hatten, fragten wir uns wie viele Kleine es in diesem Jahr schaffen.

SONY DSC

Und heute früh, als wir zur Arbeit gingen, wussten wir dass der Tag gekommen war: Ein sonst so vorsichtiger Elternvogel saß da und zwitscherte vor sich hin. Er ruft die Kleinen, dachten wir uns. Nach der Arbeit habe ich an dem Vogelhäuschen gehorcht. Stille. Jetzt, am frühen Abend habe ich sie gesehen. Vier Jungvögel. Sie machten ihre noch unbeholfenen Flugversuche. Einer schätzte entweder die Höhe oder seine Kräfte falsch ein und klatschte gegen die Balkonwand, als er auf der Balkonbrüstung landen wollte. Der andere wurde von einer Windböe erfasst und in die Hecke der Nachbarn regelrecht reingeschmießen. Aber wie alle Kinder, die nicht wissen, dass sie beim Hinfallen beobachtet wurden, machte das den Kleinen nichts aus, denn sie versuchten weiter vom Zweig zum Zweig, von Baum zum Gartenhäuschen, von da zum Zaun usw. zu fliegen und zwitscherten dabei ununterbrochen. Der vierte und kleinste buck kleinere Brötchen, er legte immer nur kurze Strecken zurück und machte lange Pausen. Er wurde zwar von den Geschwistern schnell abgehängt, aber gab nicht auf und folgte ihnen, nur in seinem eigenen Tempo.

Aus der Erfahrung wissen wir, dass diese kleine Bande noch einige Tage in der Nähe bleiben und unseren Garten unsicher machen wird ;-). Und es ist so ein schönes Gefühl, dass in diesem Jahr „unsere“ Meisen ganze vier Jungen durchbringen konnten.

Advertisements