Sachsen #3: Sachsen ist voller Überraschungen

von chaoslady

Eine Stresswelle auf Arbeit begleitet von fiesen Erkältungen (Mehrzahl!) hatte meine Berichte aus Sachsen im Oktober unterbrochen. Nun da alles wieder in geregelten Bahnen verläuft, mache ich dort weiter, wo ich aufgehört hatte… Wo war ich? Da hatte ich Sachsen zum Knuddeln und Sachsen zum Genießen… Ach ja, ich wurde bei unserem letzten Besuch in Sachsen sehr schön überrascht…

Mit meinen Eltern waren wir im Oktober auf der Burg Gnandstein. Es war seltsam, ich habe elf Jahre in Sachsen gelebt und schon sehr oft von dieser Burg gehört, ich habe sie sogar schon einmal von außen gesehen, war aber noch nie da drin. Bis jetzt.SONY DSC

Die Burg ist uralt aber gut erhalten. Geht man durch die Räume, geht man durch Epochen…
Da ist der Palassaal aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, heute können hier Paare ganz romantisch ein Bund fürs Leben schließen: SONY DSC
Ich habe mich auf ein Bänkchen am Fenster gesetzt und auf die Stadt unten geschaut… Die mächtigen Mauern sind einerseits respekteinflößend, andererseits friedlich und behaglich.
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Heimelig ist es auch in der Burgküche:
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Im Nordflügel der Burg befindet sich eine kleine helle spätgotische Kapelle aus dem 15. Jahrhundert. SONY DSC
Die Bänke mit den Schnitzereien sind aus dem 16. Jahrhundert.

Vom 15. bis 20. Jahrhundert war die Burg Gnandstein im Besitz der Familie von Einsiedel. Bis zur Enteignung im Zuge der Bodenreform. Es sind einige Portraits der Familie erhalten, diese hier sind aus dem 16. Jahrhundert:
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Die Bilderrahmen sind ein eigenes Kunstwerk!

Unter anderem dank der Sammlung und Schenkung von Margarete Groß gibt es hier auch Ausstellungsstücke aus Barock, Empire und späteren Epochen…

Was mich hier in der Burg so überrascht hat, habe ich ja immer noch nicht gesagt und dabei wartete die erste direkt am Eingang:
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Ganz unten verdeckt vom Moos steht „Theodor Körner“. Nie gehört? Ich schon, aber das ist eine lange Geschichte, für die ich weit ausholen muss: Vor einem Jahr hat mein Schatz ein Buch geschenkt bekommen. „1813 – Kriegsfeuer“, Sabine Ebert. Er wollte es nicht lesen, aber ich. In diesem Buch las ich den Namen Theodor Körner zum ersten Mal. Da ich sehr neugierig gewesen bin, was das für ein Mädchenschwarm aus dem 19. Jahrhundert ist, habe ich ihn auch „gegoogelt“. Bei einem Angriff der Württemberger/Franzosen auf den Lützowschen Freikorps wurde der junge Dichter schwer verletzt und reiste zur Genesung nach Karlsbad mit einem kurzen Halt bei seiner Pflegeschwester Julie von Einsiedel auf Burg Gnandstein. Daran erinnert dieser Stein mit seiner Inschrift…

Und außerdem ist da noch dieses Sofa:

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Das hat mit einem anderen Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe, zu tun. Ich las im Sommer eine Nitzsche-Biografie, in ihr ging der Autor Ivo Frenzel viel auf Nietzsches Beziehung zur Richard und Cosima Wagner ein. Als Wagner seine Nichte Lina besucht hat, soll er oft auf diesem Sofa gelegen haben. Das war zwar nicht auf der Burg Gnandstein, aber dieses Sofa gehört auch zu der bereits oben erwähnten Sammlung und Schenkung von Margarete Groß und wird hier ausgestellt, zusammen mit anderen Möbeln und den Portraits der Familie Groß.

Diese kleine versteckt gelegene Burg birgt bestimmt noch mehr Überraschungen, die es beim nächsten Besuch zu entdecken gibt…

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